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yogate - Yoga und Shiatsu by Nadja Kücker

Relax your mind & shape your body.

Inhalt:

*Der achtstufige Yogaweg*

Quelle: Anna Trökes "Das grosse Yogabuch"

Die acht “Stufen” sind wie eine Treppe miteinander verbunden, so dass eine auf der anderen aufbaut. Damit ist jede STufe unverzichtbar, das heißt keine ist besser oder wertvoller als die andere. Wenn wir die acht Stufen, die zunächst einmal ein theoretisches Konzept darstellen, mit Leben und Erfahrung gefüllt haben, werden wir mit einem anderen Bewusstsein auf unsere ersten Schritte schauen. Beispiel: Wenn wir, nachdem wir Meditationserfahrung gemacht haben, wieder zum Üben von Körperhaltungen (asanas) zurückkehren, werden wir sie anders, nämlich bewusster und ruhiger ausführen als zu der Zeit, als die Meditation uns noch fremd war.

*YAMA*

Vom Umgang mit der Welt

Yama ist die erste Stufe. Sie beeinhaltet Vorschläge zum Handeln in der äußeren Welt:

Ahimsa: einen bewussten und rücksichtsvollen Umgang mit allen Lebewesen, wobei wir besonders darauf achten sollen anderen kein Leid zuzufügen. Ahimsa meint, liebevoll mit uns und anderen umzugehen.
Satya: Wahrhaftigkeit und Offenheit.
Asteya: Bewusster Umgang mit unserem Begehren. Aufgeben des Haben-Wollens, und zwar insbesondere von Dingen, die uns nicht gehören.
Brahmacharya: Das richtige Maß im Handeln
Aparigraha: Nicht Horten

*NIYAMA*

Vom Umgang mit sich selbst

Niyama, die zweite Stufe, beeinhaltet Vorschläge, die uns selbst betreffen.

Shausa: Reinheit. Gemeint ist, dass wir darauf achten, unseren Körper, unseren Geist und unsere Umgebung nicht zu verunreinigen. Shauca meint auch, die übertriebene Sorge über die Vergänglichkeit unseres Körpers aufzugeben und uns der Entwicklung unserer inneren Schönheit zu widmen.
Santosha: Zufriedenheit mit dem, was wir haben, und Wertschätzung unseres Lebens in allen Aspekten anstelle eines ständigen Verlangens nach dem was wir noch nicht haben und was wir noch nicht sind. Sich selbst annehmen und sich o.k. finden.
Tapas: Stetiges Bemühen. Gemeint ist dieses innere Feuer, das uns antreibt, anstrengende und teilweiswe unangenehme Erfahrungen im Prozess der Selbstfindung und Selbstentfaltung zuzulassen und das uns Ausdauer und Durchhaltevermögen gibt. Tapas meint auch Disziplin, ohne die wir auf keinem Weg vorankommen.
Svadhyanya: Selbstreflexion. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, wo wir gerade stehen in unserem Leben, was uns bewegt, was unseren Geist beschäftigt.
Ishvara Pranidhana: bedeutet die Entwicklung von Vertrauen auf eine höhere Kraft, die uns führt und Hingabe an das Göttliche. Gemeint ist außerdem, darauf zu vertrauen, dass der Übungsweg des Yoga funktioniert.

*ASANAS*

Körperhaltungen

Asanas sind die dritte Stufe des Übungsweges. Wir kennen heute eine Vielzahl von Yogahaltungen. Wesentliches Merkmal einer jeden Asana ist das Verweilen in Stabilität und Leichtigkeit. D.h., dass wir in jeder Yogahaltung versuchen unseren Körper ganz still werden zu lassen und das mit Leichtigkeit. Die Regungslosigkeit in der Haltung soll dem Geist helfen ebenfalls still zu werden. Sie dient der Sammlung und Zentrierung unseres ganzen Wesens und ist das Gegenteil von dem, was wir sonst den ganzen Tag über machen: unaufhörlich in Bewegung sein.
Dieses Stillhalten soll kein Krampf und kein Zwang sein, sondern soll Leichtigkeit oder noch schöner ausgedrückt “in einem glücklichen Raum” geschehen. Nur so kann unser Körper Gefallen an den Haltungen finden und sich entfalten. Nur in einem unverkrampften Körper kann Energie fließen. Damit Leichtigkeit entstehen kann, müssen wir lernen, das Üben genau zu dosieren – also nicht zuviel und nicht zu wenig zu tun. Wir sollen bis an unsere Grenzen gehen um uns auszudehnen, aber nichts erzwingen, was in der Folge den Körper nur wieder zusammenzieht und oft genug neue Spannungen oder Schmerz verursacht.

*PRANAYAMA*

Die Regulierung des Atems

Pranayama ist die vierte Stufe. Auch beim Atem geht es darum, die vorherrschenden Verhaltensmuster zu erkennen und zu verbessern. Unser Atem spiegelt unser Bewegtsein im Laufe des Tages und die Unruhe unseres Geistes wider. Wir können dem Geist helfen, sich zu beruhigen und zu klären indem wir im wahrsten Sinne des Wortes Atempausen machen. So gibt es anregende, beruhigende, ausgleichende, kühlende oder wärmende Pranayamas.
Wenn wir uns eine Weile in der Kunst des Atems üben, wird dieser wieder fein und fließend. Gleichzeitig reinigen die Pranayamas uns von inneren Blockierungen, die unsere klare Wahrnehmung behindern.

Wahre Ruhe ist nicht Mangel an Bewegung,
Sie ist Gleichgewicht der Bewegung.

E.Feuchtersleben

*PRATHYAHARA*

Das Zurückziehen der Sinne

Prathyara befasst sich mit dem Erlangen der Fähigkeit, unsere SInne im Zaum zu halten und uns in unsere Mitte zurückzuziehen.
Normalerweise folgen die Sinne jedem Reiz, der von außen auf sie eindringt. Mit diesen SInnen wendet sich unser Geist – zumindest kurz – diesem Reiz zu, bevor er zu dem zurückkehrt, womit er gerade beschäftigt war. Da in unserer modernen Welt ständig Reize auf uns eindringen, kann man sich vorstellen, wie die Sinne mit dem Geist im GEfolge ständig hin- und herspringen.
Wir sollten lernen, unsere Sinne nicht mehr jedem Reiz folgen zu lassen. Vielmehr sollten wir, bildlich gesprochen, versuchen die Antennen einzuziehen, so dass sie nicht mehr auf Empfang geschalten sind. Dann lenken uns die Sinne nicht mehr ab, sondern richten sich vielmehr auf das Objekt unserer Beschäftigung.

*DHARANA*

Konzentration

Dharana befasst sich mit der Fähigkeit sich konzentrieren zu können, also mit der Aufmerksamkeit bei dem zu bleiben, was wir tun und unseren Geist ausgerichtet zu lassen. Nur wenn uns das gelingt können wir wirklich tiefer in ein Tun, einen Sachverhalt, eine Überlegung oder eine Betrachtung eindringen.
Solange wir ablenkbar sind, wird unser Geist immer wieder an die Oberfläche zurückgerufen und muss immer wieder neu beginnen, sich in sein Anliegen zu vertiefen.
So werden wir feststellen, dass wir weniger schnell ermüden, wenn wir wirklich konzentriert arbeiten.

*DHYANA*

Meditation

Dhyana ist die siebte Stufe auf dem Weg zu sich selbst. Da wir in der Meditation unsere normalen Denkmuster hinter uns lassen, sind wir in der Lage, unser Meditationsobjekt außer mit unserem analytischen Verstand auch mit unserer Intuition zu begreifen. So wird echtes Verstehen möglich, nämlich das Erkennen der wahren Natur dessen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit gerichtet haben.
Normalerweise machen wir uns ein Bild von einem Menschen, einer Sache, einem Vorgang, das durch unser subjektives Erleben, durch unsere Sichtweise, unsere Erziehung, unsere Denkmodelle verzerrt ist. Oder wir sind emotional sehr angesprochen und unser Blick auf die Wirklichkeit wird durch die Kraft der Emotion verzerrt.
In den Zustand der Meditation gelangt zu sein heißt, dass wir uns selbst vergessen haben und nun “selbstvergessen” etwas betrachten, also die ganzen Verzerrungen nicht stattfinden. Regelmäßiges Meditieren lehrt uns zunehmend Achtsamkeit und in der Achtsamkeit entwicfkelt sich die Instanz des Beobachters, der mit einem neutralen, ungefärbten Blick auf die Welt schaut.

*SAMADHI*

Das völlige Verschmelzen

Samadhi ist die achte Stufe und gleichzeitig das Ziel des Weges. Verschmelzen heißt, ganz zu dem werden, was wir tun, fühlen oder empfinden. Der Zustand des Verschmelzen meint, dass wir eins sind mit uns und der Welt. Unsere Aufmerksamkeit ist nicht mehr auf das gerichtet, was uns von anderen Menschen oder Dingen trennt, sondern was uns mit ihnen verbindet.
Samadhi ist das Aufhören jeglichen Bemühens, Tuns und Kämpfens. Es beschreibt den Zustand der Offenheit, der Hingabe und des Annehmens. Wir beginnen, mit dem Strom des Lebens zu schwimmen, der uns trägt und leitet. Es meint nicht Resignation oder Opportunismus, sondern Vertrauen, das so stark ist, dass wir nicht mehr ständig alles kontrollieren müssen. Samadhi meint den Zustand der inneren Freiheit, der das Ziel des Yoga ist.

*NUR DAS HERZ KANN WIRKLICH ERKENNEN*

Patanjali

Patanjali beschreibt den Yogaweg im wissenschaftlicher Weise. Jeder Schritt ist nicht nur für unseren Verstand nachvollziehbar, sondern auch jederzeit von jedem Menschen überprüfbar, wie ein wissenschaftliches Experiment. Bei aller Klarheit und Logik seines Konzeptes kommt Patanjali dann aber doch zu dem überraschenden Schluss, dass es doch nicht der Geist ist, der den Geist erkennen kann, sondern das Herz. “Meditation auf das Herz wird uns die Natur unseres Geistes enthüllen” heisst es im Sutra 3.34
Dieser Hinweis ist überaus wichtig. Wir alle kennen es, dass wir mit unserem Verstand etwas einsehen, z.B. erkennen, dass ein bestimmtes Verhalten uns nicht guttut und das wir es ändern sollten. Solange diese Einsicht nur im Kopf geschieht, passiert in der Regel garnichts. Erst wenn unser Herz zustimmt, wenn wir also “mit dem Herzen dabei” sind, können wir unsere Einsicht in die Tat umsetzen, uns verändern und dieser Veränderung “aus vollem Herzen” zustimmen. Dann wird sie Besstand haben.

In der vollkommenen Stille
hört man die ganze Welt.

K.Tucholsky

© 2017 yogate by Nadja Kücker